31 Jahre ist es her, als die Mauer zwischen der DDR und der BRD fiel und Deutschland wieder eine Einheit wurde. Am 9.11. hatten der 8. und 9. Jahrgang die Möglichkeit, von drei Zeitzeugen zu erfahren, wie es in einem geteilten Deutschland war.

In Gedenken an diese Zeit berichten Herr Bieger und Frau Conrads, zwei Lehrer unserer Schule, zusammen mit Frau Leder, einer ehemaligen Lehrerin aus Boizenburg, über ihre Erfahrungen in der DDR und BRD, über Reisen über die Grenze und über Zusammenstöße mit der Stasi. Gespannt hören die achten und neunten Klassen zu, und scheuen sich nicht davor, Fragen zu stellen.

Herr Bieger war ehemaliger BRD-Bürger, mit Verwandtschaft in der DDR, wodurch er die Möglichkeit hatte, mehrere Male in die DDR zu reisen.

Frau Conrads ist ein „Ur-Lauenburgerin“. Für sie war die Welt hinter Lauenburg vorbei. Zu Beginn erzählte sie, wie sie einmal mit ihrer Familie den Deich entlangspaziert ist und auf einmal von mehreren Grenzsoldaten beobachtet wurde.
Auch Herr Bieger beschrieb die Grenze als einen Ort der totalen Kontrolle und erzählte von all den Anträgen, die man stellen musste, um in die DDR zu kommen.

Doch diese Kontrolle gab es nicht nur in Richtung DDR, sondern auch, wenn man aus der DDR in die BRD wollte. Frau Leder durfte als Lehrerin nur mit einer Erlaubnis des Kreisschulrates in die Bundesrepublik, worauf sie aus reiner Schikane Ewigkeiten warten musste, denn laut des Kreisschulrates würde die BRD sie „vergiften“.

Auf die Frage, ob die Zeitzeugen jemals eine Begegnung mit der Stasi hatten, fing Herr Bieger an zu erzählen und alle wurden still und hören gebannt zu. Herr Bieger berichtete, wie er als Student einen Brief bekam und von einer Studentin aus der DDR nach einer Brieffreundschaft gefragt wurde. In Verbindung mit einem Besuch bei seinen Verwandten besuchte er die Studentin in der DDR, die ihn versuchte, als Spion anzuwerben. Da er in der DDR leicht angreifbar war, spielte er zunächst mit, um dann den Behörden in der BRD Bescheid zu sagen. Zunächst schien es damit vorbei zu sein und Herr Bieger fuhr ein weiteres Mal mit seiner Familie in die DDR. Doch der Frieden war trügerisch, denn sobald Herr Bieger wieder alleine in die DDR einreiste, wurde er an der Autobahn angehalten und hörte den berühmt berüchtigten Satz: „Wir müssen einen Sachverhalt klären“.

Die darauffolgenden Wochen verbrachte er in dem Stasi-Sicherheitsgefängnis, wo er jeden Tag verhört wurde. Bei Gesprächen mit seinem Anwalt war auch immer der Staatsanwalt der DDR dabei und schließlich wurde er mit 24 Jahren zu 8 Jahren Haft verurteilt und kam nach Bauzen II, dem Hochsicherheitsgefängnis für politische Gefangene.

Im Austausch wurde Herr Bieger nach zwei Jahren freigelassen und kam endlich wieder nach Hause zu seiner Familie.
Nach der Grenzöffnung forderte er dann seine über 1000 Seiten lange Akte an, wodurch er herausfand, dass er von einem Spion an oberster Stelle des Bundesverfassungsgerichts ausgeliefert und an die DDR verraten wurde.

Viele Menschen erinnern sich noch genau, was sie machten, als die Grenze von Günter Schabowski „sofort, unverzüglich“ geöffnet wurde: Frau Conrads erzählte, dass die in dieser Woche auf Klassenfahrt war. Sie hatte am Abend nichts von der Grenzöffnung mitbekommen und erst am nächsten Tag las sie es in der Schlagzeile einer Zeitung.

Als sie wieder zuhause waren, mussten ihre Eltern sie zu Fuß abholen, denn ganz Lauenburg war voll mit Trabbis und Wartburgs aus dem nun ehemaligen Osten. „Lauenburg war blau von den ganzen Abgasen der Zweitaktmotoren“ erzählte Frau Conrads in Erinnerungen versunken.

Auch für Frau Leder war ein vereintes Deutschland ungewohnt. An einem Tag im Supermarkt wurde ihr diese Bedeutung sehr bewusst. Sie erzählte, wie sie im Supermarkt stand und nicht realisieren konnte, was sie sah: In dem Gemüseregal lagen saubere Möhren. Vor Freude fing Frau Leder an zu weinen, da Deutschland nun endlich wieder eine Einheit war.

In diesen zwei Stunden bekamen die Schülerinnen und Schüler einen Eindruck vom damaligen Leben und erfuhren von Dingen, die heutzutage in weiter Ferne liegen. Diese etwas andere Art des Geschichtsunterrichts brachte sie der Vergangenheit näher, und sie konnten Geschichte auf eine neue Weise erleben.

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