Carmen Leal ist in Spanien geboren und aufgewachsen - doch das hat ihr nicht gereicht: Sie wollte mehr von der Welt sehen und ist für 10 Monate nach Deutschland gekommen, um hier zu leben und zur Schule zu gehen.

Wie hast du die richtige Organisation für dein Austauschjahr gefunden?

Ich musste gar nicht suchen. Meine Mutter und meine Onkel und Tanten sind mit YFU ins Ausland gegangen. Für mich war eigentlich schon als ich klein war klar, dass ich mit YFU ein Auslandsjahr machen möchte.

Wie wurdest du auf dein Auslandsjahr vorbereitet?

Zuerst haben wir ein Wochenende im Spanien verbracht, wo alle spanischen Austauschschüler dabei waren. Wir wurden ein bisschen auf alles vorbereitet, was wir erleben werden. Dann war noch in der ersten Woche hier in Deutschland ein Vorbereitungstreffen, für alle, die nach Deutschland gekommen sind. Da haben wir noch ein bisschen genauer über alles gesprochen. Uns wurde gesagt, dass es nicht so sein wird, wie wir es erwarten, dass die Zeit sehr schnell vergehen wird und dass wir immer dankbar sein sollen. Wir hatten ganz viele Workshops mit dem Thema dankbar sein.

Warst du schon mal in Deutschland, bevor du hier das Auslandsjahr gemacht hast?

Ja, ich habe zwei Jahre in Frankfurt am Main gewohnt, weil meine Mutter da gearbeitet hat. Dann sind wir zurück nach Madrid gezogen, wo ich danach mit meiner Schwester auch privaten Deutschunterricht bekommen habe.

Wie hast du dich mit deiner Gastfamilie verstanden?

Mit meiner Gastfamilie habe ich mich von Anfang an sehr gut verstanden und ich fühle mich bei ihnen wie Zuhause.

Carmen bei ihrem Lieblingscafé "Melkhus" mit ihrer Gastmutter

Wie war der Kontakt mit deiner Familie und deinen Freunden in Spanien?

Wir haben alle zwei Wochen telefoniert. Aber gerade am Anfang habe ich den Kontakt ein bisschen vermieden, weil es schwer ist, sich hier einzuleben, wenn man mit dem Kopf immer noch in Spanien ist.

Was ist der größte Unterschied zwischen Spanien und Deutschland?

Also zwischen Madrid und Lauenburg ist der größte Unterschied einfach, dass Madrid eine Großstadt ist. Es gibt viele Leute und man kennt nur wenige davon. In Lauenburg kennt man viele und sieht sie auch öfter durch Zufall.

Zwischen Spanien und Deutschland sind die Menschen einfach der größte Unterschied. In Spanien sind alle Menschen sehr offen und laden einen überall ein, aber in Deutschland muss man selbst zu den Menschen gehen und fragen, ob man mit darf und dann sagen sie ja natürlich. Aber sie fragen, gerade am Anfang, nicht selbst.

Was ist der größte Unterschied zwischen spanischen und deutschen Schulen?

Es gibt sehr, sehr viele Unterschiede. Was mich am Anfang sehr schockiert hat, ist, dass man die Lehrer mit Herr und Frau anreden muss. In Spanien nennen wir die Lehrer mit dem Vornamen. Bei den Schülern ist es so, dass wir in Spanien viel mehr reden. Es kommt natürlich auf den Lehrer an, aber die Arbeitsatmosphäre in Deutschland ist viel ruhiger. Die Zeiten sind auch anders. In Spanien haben wir von 8-17 Uhr Unterricht und nur zwei Pausen.

Welche Ereignisse sind dir besonders in Erinnerung geblieben?

Weihnachten mit meiner Gastfamilie war sehr schön, weil es nicht so war, wie ich es bis jetzt immer erlebt habe. Und zwar gehen wir mit meiner Familie in Spanien immer an den Strand und da gibt es keinen Weihnachtsbaum. Die Geschenke bekommen wir auch erst am 6. Januar, weil da ja die drei Könige gekommen sind.

In Deutschland habe ich sozusagen ein richtiges Weihnachten erlebt, mit einem Weihnachtsbaum und Geschenken.

Zu Weihnachten mit Gast-Oma und Gast-Schwestern

Hat die Corona-Pandemie eine Auswirkung auf deinen Aufenthalt in Deutschland?

Am Anfang war noch alles okay, aber dann kam auf einmal eine Email von meiner Organisation, in der es hieß, alle fliegen innerhalb von zwei bis drei Wochen nach Hause. Ich dachte mir nur, ich will hier bleiben. Danach hab ich mit meiner Gastfamilie, meiner Familie in Spanien und YFU abgesprochen, dass ich doch hier bleiben kann. Aber fast 90% aus der Organisation mussten wieder nach Hause.

Wie fühlst du dich, wo es langsam dem Ende zugeht?

Ich bin traurig, dass ich gehen muss und dass ich meine Freunde und Familie verlassen muss. Es ist halt so, als ich nach Deutschland gekommen bin, wusste ich, dass ich zu meinem Leben in Spanien zurückkommen werde. Aber in Deutschland ist es nicht so, und ich weiß, dass es nie wieder so sein wird, wie es jetzt ist. Das ist echt traurig.

Wie hat dich das Auslandsjahr als Mensch verändert?

Ich war vorher schon offen, aber jetzt bin ich noch offener. Mein Auslandsjahr hat mir auch gezeigt, dass man tolerant sein muss. Ich habe sehr viele neue Kontakte geknüpft und neue Menschen kennengelernt, die von überall auf der Welt kommen.

Wem würdest du empfehlen ins Ausland zu gehen?

Ich würde es jedem empfehlen, der die Möglichkeit hat. Es ist einfach etwas, was man erleben sollte. Eine neue Sprache kann ein bisschen Angst machen, wenn man sie nicht spricht, aber ich kenne keinen Austauschschüler, der sein Auslandsjahr bereut, und das ist wirklich eine Erinnerung, die dir niemand wegnehmen kann.

Möchtest du sonst noch etwas sagen oder erzählen?

Ich möchte mich bei allen ganz herzlich bedanken. Bei all meinen Freunden und insbesondere bei meiner Gastfamilie, denn ohne sie wäre ich gar nicht hier.

Die Fragen stellte Tessa Millert

Mit anderen Austauschschülern

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